
Mozart zu Gast bei der Friedrich-Ebert-Schule – das Ohrwurm-Projekt macht’s mit seinen peppigen Konzerten möglich. Foto: Konopatzki
Das Interesse von Kindern an klassischer Musik wecken – diesem Ziel hat sich das Ohrwurm-Projekt verschrieben. Gestern waren die Musiker in der Friedrich-Ebert-Schule zu Gast.
Gonzenheim. Der «Ohrwurm» ist ein Musikstück, das man unwillkürlich mitsummt oder das einem über einen längeren Zeitraum nicht aus dem Sinn geht – so beschreibt ein Wörterbuch das allseits bekannte Phänomen. Und es gibt Künstler, die sogar mit ihrem Namen signalisieren, dass sie ihren Zuhörern solche Musikstücke regelrecht einpflanzen wollen.
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Das «Ohrwurm-Projekt» aus Frankfurt ist in der Friedrich-Ebert-Grundschule in Gonzenheim ein gern gesehener und vor allem gehörter Gast. Das Ensemble hat es sich zum Ziel gesetzt, in Kindern das Interesse an klassischer Musik zu wecken. Und das nicht nur durch peppige Konzerte, sondern auch durch pädagogisch fundierten begleitenden Unterricht.
Ein Ziel, das die Friedrich-Ebert-Schule als Schule mit musikalischem Schwerpunkt teilt. «Seit 2004 arbeiten wir mit dem Ohrwurm-Projekt zusammen», zeigte sich Schulleiterin Charlotte Göttler-Fuld begeistert, kurz bevor das Konzert-Theater «Mozart» für 180 Schüler der Vorklasse sowie der Jahrgangsstufen 1 und 2 begann. «Das Konzert ist nur der Höhepunkt. Von den Ideen und den Inhalten zehren wir das ganze Jahr.»
Während 3.- und 4.-Klässler im Winter in einem Konzert des Ensembles in Frankfurt waren, wurden die Jüngeren quasi daheim besucht – in der Turnhalle hatte man mit Matten, Bänken und Kästen ein kleines Theater geschaffen, bei dem jeder Schüler auch gut sehen konnte.
Und zu sehen gab es künstlerische Qualität, wenn auch wenig neue Inhalte. Denn wenn die Künstler um Pianist Christoph Ullrich auftreten, präsentieren sie den Schülern nichts gänzlich Neues. «Das wäre verkehrt. Kinder wollen und sollen ja mitmachen», ist Ullrich überzeugt und verweist auf den vorbereitenden Unterricht, bei dem die Kinder den Komponisten Mozart bereits kennenlernen konnten. Dementsprechend inbrünstig singen die Kinder später Lieder wie «Komm, lieber Mai» mit, wenn der Pianist in der Barock-Kleidung das Lied anstimmt.
Auch koordinierte Bewegungen sind fester Bestandteil der musikalischen Erziehung. Die Pennäler klatschen im Takt, machen schwimmende oder schnipsende Bewegungen und bleiben dabei doch bei der Sache. Ullrich: «Das lenkt die Kinder nicht ab, im Gegenteil: Durch das Mitmachen bleiben die Kinder bei der Sache.» Vier Mitarbeiter hat das pädagogische Team des Projektes, das auch die Lehrerfortbildungen abhält. In ihren Augen wird die musikalische Bildung der Kinder häufig falsch angegangen. «Hören Sie hin», bemerkt Bariton Matthias Horn, als vor der Aufführung Musik aus einem Klassenraum erklingt. «Bis der Text anfängt, weiß man nicht, ob es ein Kinderlied ist oder ein Stück der Wildecker Herzbuben. Es ist nur ein Humpa Humpa – keine kindgerechte Musik.» Bei eigenen Projekten scheuen sich die Künstler nicht, die Kinder zu fordern – sie ab und an sogar zu überfordern. Ullrich: «Wenn Kinder unruhig werden, ist das halt so. Wir wollen ihnen aber die Chance geben, anspruchsvolle Stücke zu hören und das wird meist gerne angenommen. Wer erwartet, dass Kinder durch Stillsitzen und Zuhören lernen, liegt falsch. Wir müssen ihr Interesse wecken – nur wer sich interessiert, lernt richtig.»hko